Wie kann man die Milchstraße ablichten?

Ok wie versprochen ein Beitrag zum Thema „Wie kann man die Milchstraße ablichten?“ In diesem Blog-Eintrag geht es mir darum wo und vor allem wie man Fotos der Milchstraße aufnehmen kann.

Folgende Punkte werden näher „beleuchtet“.

Vorbereitung / Planung

nötiges Equipment

Fotografieren

Nachbearbeitung (Lightroom)

Milchstraße in Österreich

Milchstraße aufgenommen in Österreich

 

Vielleicht noch eine kleine Info zur Milchstraße an sich.

Was ist die Milchstraße?

Wikipedia

„Die Milchstraße, auch Galaxis, ist die Galaxie, in der sich unser Sonnensystem mit der Erde befindet. Entsprechend ihrer Form als flache Scheibe, die aus Milliarden von Sternen besteht, ist die Milchstraße von der Erde aus als bandförmige Aufhellung am Nachthimmel sichtbar, die sich über 360° erstreckt … Es sind nach heutiger Schätzung ca. 100 bis 300 Milliarden Sterne.“

Bruno Gilli/ESO

 

Vorbereitung / Planung

Im Raum Deutschland bzw. Nordhalbkugel kann man die Milchstraße am besten zwischen Juli bis September beobachten. Das liegt daran, dass zu diesem Zeitpunkt das Zentrum der Milchstraße (dichtester und damit hellster Bereich) sich über dem Himmel erstreckt.

Solltet ihr eher auf der Südhalbkugel beheimatet sein, werdet ihr diesen Bereich von Januar bis März sehen können (gutes Wetter natürlich vorausgesetzt).

Ein ebenfalls sehr entscheidender Punkt – zusätzlich zum Zeitraum – ist der Ort. Dies liegt daran das Städte für größers Umgebungslicht sorgen. Man nennt dies auch Lichtverschmutzung. Smog und Abgase sorgen für zusätzliche Partikel in der Luft die die Intensität der Sterne noch weiter verringern.

Also falls ihr in einer Stadt oder sogar Großstadt wohnt, dann stellt euch darauf ein, ein (großes) Stück Richtung Land bzw. Berge zu fahren. Persönlich habe ich immer häufiger davon gelesen, dass die Kanaren (speziell Teneriffa) ideal für die Milchstraße sind. Dort war ich schon zwei mal aber leider noch nicht um die Milchstraße zu fotografieren (kommt auf meine To-Do Liste).

Karte für Lichtverschmutzung

 

Light Pollution

Lichtverschmutzung

 Auf dieser Karte kann man sehr gut erkennen wo die Lichtverschmutzung am deutlichsten auftritt.

rot = sehr starke Lichtverschmutzung

schwarz = praktisch keine Lichtverschmutzung (beste Verhältnisse aber nicht einfach zu finden)

Der Mond

Bevor ich zum Equipment komme, gibt es noch einen wichtigen Punkt. Ja ich weiß. „… was muss ich noch alles beachten für ein Foto der Milchstraße…?!??

Es gibt noch eine natürliche „Lichtquelle“ die eure ganze vorbereitung zu nichte machen kann. Und zwar unser Erdtraband den Mond.

moon

Moon by Luc Viatour – www.lucnix.be

Umso heller der Mond scheint, umso schwieriger/unmöglicher wird es die umliegenden Sterne abzulichten. Also am besten zum Neumond (kein Mond sichtbar) fotografieren. Somit seit ihr auf der sicheren Seite und all eure Vorbereitungen haben sich (hoffentlich) gelohnt.

Equipment (hardware seitig)

Im eigentlichen besteht das aus 3 Hauptelementen und zwar:

Kamera / Objektiv / Stativ

Kamera

Eure Kamera sollte die Bilder im RAW-Format abspeichern können. Zusätzlich ist auch wichtig, dass eure Kamera es euch ermöglicht, den Sensor bis zu maximal 30 Sekunden zu belichten. Dies sollte bei fast allen Spiegelreflex / SLT / System-Kameras der Fall sein.

Hierbei sei zu erwähnen, dass es von Vorteil ist, wenn eure Kamera im Bereich ISO 1600 bis 2000 ein akzeptables Rauschen generiert.

raw

Qualitätseinstellungen unbedingt auf RAW setzten

Objektiv

Hier wäre es von Vorteil wenn ihr ein relativ Lichtstarkes (z. B. F 2.8)  zur Verfügung habt. Höhere Lichtstärke = weniger lange Belichtungszeiten bzw. niedrigere ISO-Einstellungen können verwendet werden.

Ich empfehle ein Weitwinkel oder sogar Fisheye zu verwenden. Einerseits habt ihr den Vorteil mehr von der gesamten Szenerie auf ein Bild abzulichten, andererseits sind durch die geringere Brennweite längere Belichtungszeiten möglich.

Wie das?

Da sich die Erde in ständiger Rotation befindet, werdet ihr bei einer längeren Belichtungszeit auch diese Rotation auf euren Bildern ab einer bestimmten Belichtungszeit erkennen können. Und zwar anhand von Sternenschlieren. D. h. ihr habt so lange belichtet, das die Sternbewegung mit aufgenommen wurde. Somit sind eure Sterne nicht mehr punktförmig sondern strichartig aufgenommen worden.

Und was hat das mit einem Weitwinkel zu tun? Nun ja umso größer eure Brennweite, desto näher fotografiert ihr das Geschehen. In diesem Fall die Sterne (und auch deren Bewegung). Und dadurch bleibt euch auch weniger Zeit ein Foto „Schlierenfrei“ zu fotografieren.

Stativ

Da Ihr mit Belichtungszeiten von bis zu max. 30 Sekunden fotografieren werdet, ist ein fester Standpunkt für eure Kamera Pflicht. Und diesen bietet euer Stativ. Bitte denkt daran: je stabiler euer Stativ, desto schärfer werden eure Aufnahmen. Manche Stative bieten die Möglichkeit ein Gewicht, z. B. einen Rucksack oder ähnliches an die Mittelsäule zu hängen. Wenn ihr die Möglichkeit, habt nutzt dies. Dies sorgt dafür das euer Stativ noch stabiler steht. Aber bitte übertreibt es nicht. Zur Not seht in eurer Anleitung nach wie viel gewicht euer Stativ maximal verträgt.

Optional ein Kabel/Funk-Fernauslöser

Generell ist es wichtig, dass ihr eure Kamera während der Aufnahme nicht bewegt wird. Wenn ihr von hand auf den Auslöser drückt besteht bereits die Gefahr, das das Bild dadurch verwackelt wird. Deswegen überlasse ich es jedem selbst ob dieses Equipment benötigt wird. Wer dafür kein Geld/Muse hat, kann auch auf die Zeitverzögerungsfunktion der Kamera zurückgreifen (2 Sek., 10 Sek. etc.).

Ich persönlich verwende den Hähnel Giga T Pro II Funk-Fernauslöser. Auf diesen bin ich nach etwas längerer Recherche gestoßen. Zugegeben, man braucht wirklich etwas Einarbeitungszeit. Also ich habe ihn schon seit über 1 Jahr und dennoch vor 1 Monat noch etwas dazu gelernt. Dies lag aber eher daran, das ich ihn nicht sooo intensiv in letzter Zeit benutzt habe. Also keine Sorge, ihr braucht nicht Monate, um aus den Vollen zu schöpfen. Wenn ihr erst einmal drinnen seid, dann ist dieser Fernauslöser sehr vielseitig einsetzbar. Zu kaufen gibt es ihn auch für fast alle Kamera Hersteller (Nikon, Canon, Sony, Olympus, Panasonic).

funkausloeser

Beispiel für einen Funk-Fernauslöser – Hähnel Giga T Pro II Funk-Fernauslöser

Equipment (software seitig)

Da heutzutage jeder mit einem Smartphone in der Tasche durch die Gegend läuft, sollte man diesen Faktor auch ausnutzen. Es gibt mehrere Apps die es euch erleichtern die aktuelle Mondphase, Position von Mond/Sonne & Sternenbildern an eurem Smartphone zu veranschaulichen. Und dies auch in einem AR modus (Augmented Reality). Das bedeutet ihr haltet euer Handy in die Luft und entsprechend zu eurer Lage und wo ihr das Gerät hinhaltet, zeigt euch die App auf Display an was ihr gerade am Himmel erblickt.

Dazu empfehle ich 2 Apps (für Android).

Sun Surveyor

gibt euch die aktuelle Position der Sonne + Mond. Gibt es auch als Lite Edition zum antesten.

Google Sky Map

zeigt euch die Sternenbilder am Himmel an (inkl. AR Modus)

 

Fotografieren

Einige Tipps möchte ich euch noch mit auf dem Weg geben.

Dateiformat

Bitte fotografiert im RAW format. Das ist das unbearbeitete Rohformat der Kamera bei dem alle Informationen enthalten sind. Hier steckt das größtmögliche Potential, das Maximum an Bildinformationen aus euren Fotos herauszuholen.

Fokussieren

Eure Kamera tut sich in den meisten Fällen schwer nachts (und bei kompletter dunkelheit) automatisch zu Fokusieren. In diesem Fall auf den Sternenhimmel. Um dies zu umgehen solltet ihr eure Kamera auf manuellen Fokus umstellen und von hand auf euren Sternenhimmel bzw. Milchstraße fokussieren. Aber VORSICHT! Nicht bei jeder Linse heißt unendlich = Objektiv auf Anschlag gestellt. Falls ihr eine Kamera mit der sogenannten „Focus Peaking“ Funktion habt (z.b. Fuji, Sony…) dann ist es für euch ein Einfaches von Hand auf unendlich zu fotografieren.

Wenn eure Kamera dieses „Extra“ nicht beherrscht, keine Panik. Ihr könnt auf unendlich stellen. Ein Foto machen und danach am Bildschirm der Kamera überprüfen ob ihr richtig lagt. Wenn nicht, dann in kleinen Schritten den Fokus nachjustieren und nochmals  überprüfen.

Einstellungen Kamera

Hier ein kurzer Leitfaden für grundlegende Einstellungen eurer Kamera.

Stellt eure Kamera auf den manuellen Modus, M gekennzeichnet. Dieser ermöglicht es euch, Blende, Iso & Belichtungszeit separat voneinander einzustellen.

  • Iso 1600 (oder 2000) als grober Richtwert. Kann nach den Bedürfnissen geändert werden.
  • Blende so weit wie möglich offen (also 2.8 etc., was euer Objektiv her gibt)
  • Belichtungszeit berechnen mit unten genannter Formel. Diese Formel errechnet die max. mögliche Belichtungszeit, um die Sterne noch punktförmig abzubilden. Ohne das dabei Strernenschlieren entstehen.

Kamera mit APS-C Sensor (DX-Sensor)

300/Brennweite = Belichtungszeit

Kamera mit Vollformat-Sensor

500/Brennweite = Belichtungszeit

Bei einer Vollformat Kamera als Beispiel würde eine Brennweite von 50mm (500/50mm) zu einer Belichtungszeit von 10 Sek. führen. Das ist vielleicht ein schlechtes Beispiel,da diese „kurze“ Belichtungszeit ein sehr dunkles Bild produzieren würde (wenn wir ISO 1600 nehmen würden). Um dem entgegenzuwirken müssten wir die ISO Einstellungen höher stellen, was definitiv ein sehr großes Rauschen erzeugen würde. Außer ihr seid die glücklichen Besitzer einer Sony A7s 😉 Also lieber eine weitere Brennweite oder ein Fisheye verwenden.

Nachbearbeitung (Lightroom)

Da ihr glücklicherweise in RAW fotografiert habt (das hab ihr doch oder?) habt ihr jetzt die Möglichkeit euer Bild gebührend nach zu bearbeiten ohne große Kompromisse eingehen zu müssen. Denn das volle Potential eures Juwels bringt ihr hier zum Vorschein. Auf dem unteren Bild seht ihr die unbearbeitete RAW-Datei.

RAW image untouched

This is my milky way image directly imported in Lightroom. It’s the untouched RAW file. Das hier ist die unbearbeitete RAW datei direkt in Lightroom importiert.

 

Die Nachbearbeitung nehme ich normalerweise immer zuerst in Lightroom vor. Falls ich dann noch tiefere Eingriffe vornehmen möchte nutze ich zusätzlich Photoshop. Hier werde ich nur auf Lightroom eingehen.

Zuallererst kümmert euch im Punkt „Lens Corrections“ darum das ihr gegebenenfalls Verzerrungen eures Objektivs wieder behebt. Ihr könnt hierbei entweder nach eurem Objektiv suchen oder das ganze Manuel vornehmen.

lens correction

Objektiv Korrektur per Profil

lens correction manual

Objektiv Korrektur Manuel (falls Objektiv nicht in Lightroom-Datenbank)

 

Der nächste Schritt wäre der Weißabgleich. Im Grunde genommen versucht ihr damit die Milchstraße am besten zum Vorschein zu bekommen. Hier seht ihr wie ich den Weißabgleich auf eine violette Farbe gestellt habe. Zusätzlich dazu wurde Exposure, Shadows + Highlights noch angepasst.

Basic settings

Hier wurde der Weißabgleich, exposure, highlights & shadows angepasst

Danach wurden zusätzlich noch zwei Gradienten Filter verwendet. Ich wollte nämlich einerseits oberhalb und unterhalb der Milchstraße einen etwas anderen Weißabgleich erreichen. Diese beiden habe ich mehr bläulich eingefärbt und zusätzlich die Belichtung und Schatten reduziert, damit das Zentrum deutlicher zur Geltung kommt.

Einstellungen Verlauf

Verlaufseinstellungen

Natürlich könnt ihr noch die Rauschreduzierung von Lightroom zur Hilfe holen, jedoch Vorsicht!! Je höher ihr diese einstellt desto mehr Details und dadurch auch schwächer leuchtende Sterne gehen verloren. Also vorsichtig an den entsprechenden Wert heran tasten.

Ansonsten empfehle ich euch gerne weiter mit den Einstellungen zu experimentieren. Solange es euch gefällt ist alles erlaubt.

Und hier ist das finale Ergebnis. Ich habe den Baum am ende noch in Photoshop durch einen aus einem unbearbeitetem Bild ausgetauscht (farbe und aussehen war am ende eher unrealistisch).

Milky way shoot in Austria

Finales Bild

 

Ansonsten hoffe ich das ich euch etwas mehr Lust auf Sternen-Fotografie und in diesem Fall auf die Milchstraße gemacht habe. An sich bin ich immer wieder begeistert, wenn ich es mal wieder schaffen sollte an einem ähnlichen Ort zu sein, der es mir ermöglicht unsere Galaxie so deutlich mit dem Auge (und der Kamera) erfassen zu können. Man fühlt sich förmlich klein.

Genießt die Einsamkeit um euch herum und ich wünsche euch gutes gelingen bei euren eigenen Aufnahmen!!

 

Gruß, Michael

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